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Ein Besuch bei Bettina

Auszug

Es war an einem kalten, regnerischen Tage des Spätherbstes. „Unter den Linden“ in Berlin waren die Bäume schon alle von ihrer gelben Last (nur grün sind die Blätter dem Baum eine Freude) befreit; auch die Säle der Kunstausstellung, die für den schwindenden Sommer in Berlin immer einen Ersatz an ästhetischen Anschauungen giebt, waren schon geschlossen. Ich fröstelte im langen Surtout und blickte mit einiger Befangenheit zu den Fenstern jener märchenhaften Erscheinung, der Bettina Brentano, hinauf, die mitten in dem enggeschnürten Daseyn unserer modernen Beziehungen den Muth gehabt hatte, ein Kind zu bleiben und ihre Empfindungen auszusprechen, ohne die Folien zu bedenken, die heute das Große, Erhabene und Schöne erwägen muß, um für groß, erhaben und schön auch anerkannt zu werden.